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Lausitzer Chaos

25.06.2011 - Lausitzring - Dauerprüfung Seriensport - Ich fühle mich so gut wie selten. Fahre Hangoff wie im Herbst 2010.
Viel besser als im vergangenen Jahr komme ich klar auf dem Eurospeedway, brauche bei gleicher Übersetzung einen Gang mehr und bin mir sicher, dass ich meine letztjährige Bestzeit (1:49,5) später im Rennen um 1,5 bis 2 Sekunden verbessern werde.

Ich spüre, dass ich heute gewinnen kann!

Ein paar Minuten später bin ich Ende der Gegengeraden etwas später als sonst auf der Bremse, lenke aber trotzdem ein und stürze. Beim Reinbremsen in die Links geht das Vorderrad über eine Bodenwelle weg.
Auf dem Hintern rutschend verfolge ich die Überschläge meines Motorrades im Kiesbett. Ich sehe, dass keine größeren Teile von meiner GSXR weg fliegen und bin mir noch im Rutschen sicher, dass ich das Rennen fahren werde.
Meine Pflichtrunden der Dauerprüfung hatte ich schon geschafft und war nur noch für ein bisschen Fahrwerkseinstellungen unterwegs und habe somit keine Strafsekunden wegen fehlender Runden zu erwarten - es ist also noch alles drin.

Aber ich weiß, dass jetzt jede Sekunde zählen kann, denn in 2 Stunden ist Rennstart.

Den Aufkleber der technischen Abnahme bekomme ich wieder abgezogen und muss das Motorrad vor dem Rennen nochmals durch die technischen Kommissare abnehmen lassen.

Am Platz zurück beginnen sofort die hektischen Reparaturarbeiten. Der Heckrahmen ist gebrochen, die Verkleidung ringsrum zerfleddert, linker Lenkerstummel krumm, Auspuff verbogen, Bremsflüssigkeits-Überlaufbehälter vorne abgerissen und Tank tief eingebeult - sollte also alles zu machen sein!

Räder runter - zum Reifendienst, neue Reifen fürs Rennen drauf - Verkleidung mit viel viel Panzertape reparieren, Lenkerstummel tauschen, usw...

Doch die Bremse macht Ärger und kostet viel Zeit. Denn das Bremssystem zieht aus dem spontan besorgten neuen Überlaufbehälter keine Bremsflüssigkeit. Ist die Bremspumpe kaputt? Eine andere Bremspumpe von einem Kollegen bringt auch keine Änderung, es muss also an etwas anderem liegen!

Lange brauchen wir, um zu merken, dass ein Stück vom kaputten Behälter noch im Schlauch zur Bremspumpe steckte und den Durchgang verstopfte. Nach Entfernen des Teils lässt sich die Bremse entlüften und alles sollte gut sein. Aber die Zeit drängt und unter totaler Hektik und Eile müssen Räder eingebaut, Verkleidung angebracht, Luftdruck eingestellt werden, Bremsbeläge wechseln und Nachtanken und ab zur erneuten technischen Abnahme.

Plötzlich will das Motorrad nicht mehr anspringen und die Gasgriffarmatur ist lose. Schnell zur technischen Abnahme schieben!! Es geht um jede Sekunde, die Boxengasse wird jeden Moment geschlossen. Leute eilen herbei und helfen schieben. Ich will in vollem Lauf aufs Motorrad springen und bekomme das Bein nicht hoch genug und trete den Höcker wieder runter, den wir provisorisch mit Tape befestigt hatten. Schxxxe! Bei der technischen Abnahmestelle angekommen wird der Kupplungsschalter eingesteckt und die rechte Armatur angezogen, Aufkleber drauf und sofort zum Start!

Das Rennen

Schon in der WarmUp-Lap merke ich, dass ich mit dem losen Höcker nicht wirklich gut fahren kann.

Beim Übungsstart rutsche ich samt Sitz nach hinten weg und versuche mich am Lenker festzuhalten. In Kurven kann ich nicht richtig Umlegen, weil der Sitz mitgeht. Ich versuche den Sitz irgendwie mit meinem Hintern festzuhalten.

Mist! So wird das nichts! Meine Hoffnungen vom ersten Sieg begrabe ich schon vor dem Rennstart. Jetzt heißt es nur noch irgendwie so viele Punkte wie möglich einzufahren.

Start!

Wieder rutsche ich samt Sitz nach hinten und muss vom Gas. Von meiner ersten Pole aus werde ich bis zur ersten Kurve schon weit durchgereicht. Im Geschlängel kann ich mich überhaupt nicht neben das Motorrad setzen wie sonst.

Doch es kommt noch schlimmer: Noch in den ersten Kurven versetzt das Motorrad regelrecht beim Gas anlegen.

Es fühlt sich an, wie kleine Rutscher. Ich überlege: Kann es sein, dass wir bei der Eil-Reparatur etwas übersehen haben und etwas rechts aufs Hinterrad tropft?

Oder ist der verbogene Auspuff zu nah am Reifen und überhitzt so die Flanke?

Ich biege in die Boxengasse ein... aber Abbrechen will ich nicht! Vielleicht kann ich noch einen Punkt oder vielleicht 2 sammeln, wenn noch andere ausfallen!

Es kommen in der Boxengasse Leute herbei geeilt und tapen mir den abgetretenen Höcker wieder fest. Am Hinterreifen können wir jedoch nichts erkennen... Also nehme ich das Rennen wieder auf, natürlich als Letzter und mit mehreren Runden Rückstand.

Doch die "Rutscher" - vor allem aus Rechtskurven - sind nicht weg. Wie ein kurzes Versetzen fühlt es sich an.
Aber ich fahre weiter und versuche einfach irgendwie damit klar zu kommen. Doch das nächste Problem taucht auf: der rechte Lenkerstummel ist nicht richtig fest und dreht sich ein. Jetzt ist es auch schon egal, also wieder ab in die Box Lenkerschelle richtig fest ziehen und wieder auf die Strecke!

Dann das endgültige Aus auf der Gegengeraden: plötzlich kein Vortrieb mehr! Kette ist runter gesprungen!

Warum ist die Kette runter gesprungen?

Mit Entsetzen stellen wir in der Box fest: ich hatte die Mutter der Hinterachse verloren. Daher die Versetzer beim Fahren: das Rad hüpfte in der Schwinge hin und her - wodurch auch die Kette runter gesprungen ist.

Fazit:
- mein Speed hätte für alles gereicht
- in der Dauerprüfung Stürzen kann Nachteile mit sich bringen
- hektische Eil-Reparaturen können Mängel am Material verursachen

und vor allem:
- Hinterradmuttern sollte man nicht nur ein paar Umdrehungen auf die Achse schrauben und sich dann abgelenkt abwenden.

und das wichtigste:

das nächste Rennen kommt!

Einen riesengroßen Dank an:
- Thorsti (Heiner) und Snoopy fürs Schrauben und Helfen
- meinem und Snoopies Dad für das Zusammenflicken der Rennverkleidung
- Jo fürs Ausleihen des Auspuff-Endtopfes
- dem weissen Andreas fürs Ausleihen der Bremspumpe
- Chris (Kampfschlumpf) fürs Schieben vor und fürs Tapen des Höckers während dem Rennen
- Mike für das Festschrauben des Lenkers während dem Rennen
- Schmatti fürs Ausleihen des Bremsen-Entlüfters
- Gott dafür, dass nichts Schlimmeres passiert ist


letzte Aktualisierung: 3. Mai 2012 - Impressum/Kontakt

Nächstes Rennen:
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