zurück
Saisonstart 2011
Das erste Roll-Out des Jahres hatte ich dieses Jahr in Hockenheim am 26.+27. März mit André Voll (SW-Motorrad-Reifen.de) bei klasse Bedingungen. Denn mit dem Wetter hatten wir Glück und konnten die Regenreifen verstaut lassen.
Es klappte auch alles super gut und ich konnte leistungsmäßig gleich an meine Rundenzeiten anknüpfen, die ich im Herbst 2010 kurz vor meinem bisher besten Rennen (Hockenheim, 28.08.2010) gefahren bin. -Video-
Einen kleinen Wehrmutstropfen gab es dann leider doch noch: nach einem langen Tankstop ohne Reifenwärmer war ich mit kaltem Vorderreifen etwas unvorsichtig und stürzte in der Sachskurve. -Video-
Zum Glück habe ich mich dabei nicht verletzt und auch meine Suzuki hatte kaum etwas abbekommen. Und das war auch gut so, denn die musste ja schon bald wieder für die Reise nach Barcelona verladen werden!
Circuit de Catalunya
Am 20.04. reisten wir (wir heißt André, Mirko, Marc, Horst, Snoopy und ich) nach Barcelona, wo wir ein 3-Tages-Training vom 21.-23.04. mit Speer-Racing gebucht hatten. Als wir Anfang Februar das Training buchten, war die Idee dahinter, dass wir kurz vor Saisonbeginn nochmal bei prallem Sonnenschein 3 Tage intensiv trainieren und am Fahrwerk tüfteln, während in Deutschland Mitte April bei kaltem nassen Schmuddelwetter nur rumgeeiert werden könnte… Doch schon am Tag vor der Abfahrt waren sich die Wetterdienste einig, dass wir auf dem Circuit de Catalunya die Regenreifen durchaus gebrauchen könnten, während in Deutschland statt Regenpellen eher die Sonnenschirme zum Einsatz kommen. Wir waren uns aber sicher: Der Wetterdienst lügt das Blaue vom Himmel herunter!
Am Abend taten wir das, was anstädige Menschen machen – wir legten tote Tiere auf den Grill und philosophierten bei ein paar San Miguel vor uns hin. Dabei stellten wir unter anderem fest, dass Horst schon ein lustiger Typ ist – allerdings ist er eher für die trockenen Sprüche gut.
Donnerstag, der 21.04. – der erste Trainingstag
Bei mir fing es direkt wieder gut an…. Gerade im ersten Turn zum Strecke Anschauen rausgefahren konnte ich gleich nach 1 Runde plötzlich nicht mehr schalten – eine Schraube vom Schaltgestänge hatte sich gelöst und so rollte ich im 2. Gang die Runde zu Ende und zurück zum Zelt. Erster Turn futsch.
Zweiter Turn, zweiter Versuch – doch noch in der Outlap (also in der „Einrollrunde“ aus der Boxengasse heraus) wurde der Turn auch schon wieder mit der Roten Flagge beendet. Es war wohl jemand gleich in der 3. Kurve gestürzt und hatte sein Motorrad so großzügig über das Asphaltband verteilt, dass die Streckenposten eine ganze Weile brauchten, um die Strecke zu räumen und wieder frei zu geben. Zweiter Turn also auch nicht vorhanden.
Dritter Versuch im letzten Turn vor der Mittagspause. Endlich konnte ich mir die Strecke mal anschauen, die ich erstmal relativ schwierig fand. Ich kannte den Kurs bisher nur von der PlayStation, aber da ist es einfach doch was anderes. Dass es auf der echten Strecke richtig hoch und runter geht und die Kurven teilweise nach außen abfallen, merkt man beim Konsolenspiel einfach nicht. Nach ein paar Runden sah ich im Kiesbett von Kurve 3 eine weiße Honda – André war gestürzt. Ach nee, das brauchen wir jetzt nicht! Hoffentlich ist ihm nichts passiert, dachte ich mir. Aber noch im Augenwinkel konnte ich sehen, wie André aufstand und zu seinem Motorrad lief. Also wird es so schlimm nicht sein.
So war es dann auch; er selbst hatte keine einzige Schramme und seine CBR1000RR war bis auf ein paar Kratzer und kleine Risse in der Verkleidung auch heil und konnte mit ein wenig Tape und einer neuen Verkleidungsscheibe wieder fahrbereit gemacht werden.
Das WM-GrandPrix Team um Pol Espargaro (Moto2-GP Fahrer) war auch in Barcelona zum Testen und zeigte uns Normalsterblichen auf beeindruckende Weise, was physikalisch mit entsprechendem Material und Fahrkönnen alles möglich ist. Es ist einfach überragend, sowas aus nächster Nähe – nämlich aus der Windschattenperspektive – mit ansehen zu können. Auch wenn der Genuss auch immer nur ein paar Kurven anhielt. Andere bezahlen viel Geld dafür, diese Show von außen zu sehen. Wir Fahrer haben da immer mal wieder einen Logenplatz. Es ist doch nochmal eine Welt zwischen den IDM-Fahrern, denen man während der Saison immer mal wieder auf der Strecke begegnet und denen man auch hin und wieder mal eine halbe oder ganze Runde einigermaßen folgen kann. Aber gegen so einen Helden aus der Moto2-WM ist selbst IDM-Champion Karl Muggeridge doch relativ unspektakulär gemächlich. Die Prototypen-Weltmeisterschaft ist eben doch eine ganz eigene Liga.
 |
 |
| Dinner und Horst in Barcelona |
 |
In den restlichen Turns des Tages lernte ich die Strecke etwas kennen, traute mich aber noch nicht so recht an die Bremspunkte und die Kurvenspeeds heran, die normalerweise meinem Standard entsprechen würden. Irgendwie hatte ich doch im Hinterkopf, dass ich weit weg von einem deutschen Krankenhaus war, meine Dinnerella nicht dabei war und es sowieso egal ist, wie schnell ich hier in Barcelona bin – schließlich fahren wir hier ja keinen Meisterschaftslauf.
Bei Mirko lief es super und Marc war so mittelzufrieden, wobei er meiner Meinung nach hätte ruhig end-zufrieden sein können. Denn auch bei den beiden stand der Spaß daran, einfach mal in Spanien auf einer neuen Strecke zu fahren, vor dem unbedingten Willen, eine super Rundenzeit in den Aspahlt zu brennen. Einzig bei Horst schien das anders zu sein. Aber dazu später mehr...
Abends beim Argentinier gab es wieder reichlich Fleisch vom Grill. Superlecker! Wir Motorradrennfahrer müssen übrigens viel Fleisch essen, um unser Gewissen zu beruhigen. Denn wir tragen ja Tierhaut in Form von Lederkombis an unseren Körpern und so haben wir die Pflicht, auch den Inhalt der Tiere – also das Fleisch – zu verwerten. Das würde ja sonst schlecht werden.
Freitag – der zweite Tag
 |
 |
| Mirko Breuer auf seiner Yamaha R6 |
 |
Am Freitag war das Wetter mies… verregnet, sehr windig, kalt. Während M&M (Mirko und Marc) tapfer mit Regenkombis und Regenreifen um die nasse Strecke durch den Regen fuhren, waren Horst, André und ich der Meinung, dies nicht tun zu müssen und gaben vom Liegestuhl aus lehrreiche Anweisungen zum Fahren im Regen, zu Fahrwerks-Einstellungen und überhaupt.
Dabei fiel uns auch auf, dass Horst echt ein lustiger Typ ist - aber eher für die trockenen Sprüche gut.
Ich genoss einfach mal einen Tag Pause und war froh, in Barcelona an der Rennstrecke zu sein und schaute mir in Ruhe an, wie bei wechselhaften Bedingungen immer wieder von Regenreifen auf Trockenreifen und zurück gewechselt wurde.
 |
 |
| Snoopy auf Horsts GSX-R 1000 PLUS |
 |
Nachmittags war die Strecke dann so gut wie trocken und ich bat Snoopy, mal ein paar Runden mit meiner GSX-R 750 zu fahren, um mir mit seiner reichlichen Erfahrung etwas zu helfen, was die Fahrwerksabstimmung angeht. Das war auch eine gute Idee, denn er konnte mir tatsächlich weiterhelfen und mir sagen, wie sich mein Fahrwerk im Vergleich zu den vielen anderen, die Snoopy an diesem Wochenende schon gefahren war, anfühlt. Ich selbst fahre prinzipiell einfach nicht mit fremden Motorrädern („wenn dann doch was passiert“ usw…) und kann daher teilweise einfach nicht so gut abschätzen, ob das Fahrverhalten „normal“ ist oder ob man das ändern kann/soll/muss.
Abends bei Gitarrenmusik und gemeinsamem Grillen stellten wir fest, dass Horst schon ein Lustiger ist. Aber er ist halt eher so der Typ für die trockenen Sprüche.
Samstag, der letzte Trainingstag.
Morgens war die Strecke noch komplett nass, die Tendenz ging allerdings Richtung Abtrocknen. Gegen 12 Uhr war dann alles trocken und fuhr ich einen Turn, der auch schon das WarmUp für das Spaß-Rennen darstellte, welches von Speer-Racing zum Abschluss der Veranstaltung organisiert war.
Das Rennen
 |
 |
| Marc Jürgens auf Kawasaki ZX-6R |
 |
Mirko wurde im Rennen bis 600ccm guter 5. und Marc verpasste als 8. leider knapp einen Pokal. Dabei fuhr Mirko mit seiner Yamaha R6 eine super Rundenzeit von 2:02,1. Wirklich klasse mit einer 600er auf dem doch Motorleistungs fordernden Circuit de Catalunya!
Ich stand in der 750er-Klasse auf der Pole Position, was aber mehr daran lag, dass 90% der Teilnehmer auf 1000ccm-Maschinen unterwegs waren, als dass ich super schnell gewesen wäre. In der Klasse bis 750ccm waren wir schließlich nur 10 Teilnehmer. So lag ich nach dem fliegenden Start auch in Führung und wollte jetzt endlich nochmal richtig angreifen und meine Rundenzeit verbessern. Doch schon wieder machte mir ein kleiner dummer technischer Defekt einen Strich durch die Rechnung. Gleich in der ersten fliegenden Runde brach der Halter des Bremsflüssigkeitsbehälters ab und so baumelte der Behälter im Cockpit herum. Ich schaute mir das skeptisch an und beschloss, wieder in die Box zu fahren, weil es passieren könnte, dass die Bremse dadurch Luft zieht und der Bremsdruck somit abfallen könnte. Doch der Bremsdruck blieb erstmal stabil und ich beschloss, ganz vorsichtig noch eine Runde zu fahren. Ich bremste ab jetzt immer sehr früh, um bei schlechter werdender Bremsleistung mehr Reserven zu haben und war mir sicher, dass ich jetzt gleich von meinen Mitstreitern überholt werden würde. Doch es kam noch niemand an mir vorbei gefahren und die Bremsleistung war auch noch stabil. Also fuhr ich weiter und testete immer wieder auf der Geraden mit einem kurzen Antippen des Bremshebels, ob der Druck noch da ist. So ging es Runde für Runde und ich konnte das Rennen tatsächlich als Sieger beenden. Genau in der Auslaufrunde wurde der Bremsdruck dann spürbar schlechter und ich rollte unter vorsichtig in die Boxengasse. Das Rennen hätte also keine Runde länger gehen dürfen, sonst hätte ich es im Sinne der Sicherheit abbrechen müssen. Durch das Frühbremsen war zwar meine Rundenzeit von 1:59,4 damit logischerweise alles andere als zufriedenstellend für mich, aber den von Speer sehr schön gemachten gläsernen Pokal mit der 1 drauf nahm ich natürlich trotzdem sehr gerne entgegen :-D …schließlich war hier und an diesem Tag einfach keiner mit einer 750er schneller.
 |
 |
| Prinzessin Horst auf seiner GSX-R 1000 PLUS |
 |
Den Vogel schoss aber Prinzessin Horst ab. Mit einer 1:53,4 fuhr er die zweitschnellste Zeit der gesamten Veranstaltung (natürlich bis auf Moto2-Profi Espargaro) und durfte sich zurecht feiern lassen. Mit einem trockenen „ja, so ist das halt, wenn man mal schneller fährt“ erklärte er seine grandiose Performance und wir stellten fest, dass Horst doch schon ein Lustiger ist – er ist halt mehr der Typ für die trockenen Sprüche.
- Dinner
Ergebnisse der Abschlussrennen aus Barcelona als PDF:
- Rennen bis 1000ccm - Rennen 600 + 750ccm -
Vielen Dank an Benny Kätzmer von Photo-BK.com für die tollen Bilder!
|